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Bürgertum trifft Balkan

Im Zehnten weht internationales Flair durch die 900 Meter lange Fußgängerzone, die mit bunten Geschäften, Lokalen und einem großen Markt zum Flanieren einlädt.

Äussere Favoritenstrasse

Die Stadt Wien ist ab Beginn des 19. Jahrhunderts aus ihrem historischen Kern, in den ungefähren Grenzen des heutigen 1. Bezirks, in die Vorstädte hinausgewachsen. Die Hauptachsen vom Zentrum in alle Himmelsrichtungen nennt man hierzulande „Ausfallstraßen“. Sie sind die wichtigsten Verkehrswege auch nach dem Schleifen der Stadtmauer in den 1860er-Jahren geblieben.

Vom städtischen Zentrum aus konnte man mit der Kutsche und später mit dem Auto hinaus ins Grüne fahren, oder von den Dörfern in die große Stadt gelangen. Wikipedia lehrt uns, dass solche Ausfallstraßen stellenweise Sichtachsen auf markante Stadtkörper (historische Altstädte, Schlösser usw.) ausbilden. In Stadtrandzonen allerdings würden sie in vielen Fällen nicht sonderlich einladende Eingangsbereiche einer Stadt prägen, die in der Wahrnehmung eines Besuchers eher als unattraktiv und vernachlässigt erschienen. Die Favoritenstraße ist in früheren Zeiten beides gewesen, attraktiver Weg durch den Bürgerbezirk Wieden und Arme-Leute-Straße in den weiter entfernten Bereichen im Arbeiterbezirk Favoriten. Hier im 10. Wiener Gemeindebezirk haben sich die ersten „Gastarbeiter“ angesiedelt. Es waren das zugewanderte Böhmen, die so genannten „Ziegelbehm“, die in den Ziegeleien südlich der Stadt schlecht bezahlte Arbeit fanden.

Eine gelungene Infrastruktur-Maßnahme hat die Straße bereits vor rund vierzig Jahren zwischen dem Columbusplatz und dem Reumannplatz deutlich attraktiviert. Parallel zum Bau der Untergrundbahn U 1 wurde dort eine Fußgängerzone eingerichtet, die belebter nicht sein könnte. Auch hier weht internationales Flair, wohnen doch viele vom Balkan oder aus der Türkei zugewanderte Menschen in den kleinen Seitengassen. Vor etwa zehn Jahren wurde die Fußgängerzone von der Landgutgasse bis zum Südtiroler Platz erweitert und reicht heute über 900 Meter voll von Geschäften, Lokalen und einem großen Markt. Wer sich oft schon gefragt hat, warum keine Bäume die Einkaufsstraße säumen, dem sei gesagt, dass wegen der relativ knapp unter dem Straßenniveau liegenden U-Bahn-Trasse eine Bepflanzung nicht möglich ist.

Mehr Information unter graetzlbericht.at

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