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Die Parkbank im Modenapark
Jung trifft alt. Das älteste und das jüngste Gebäude am Modena Park

Ganz ehrlich. Es ist einfach schön hier. Einige meiner Freundinnen müssen an stark befahrenen Straßen stehen. Noch dazu unbeachtet. Kaum jemand kommt vorbei und setzt sich hin, um sich in Ruhe umzusehen. Bei mir ist das anders. Gibt ja auch genug Gebäude rund um den Modenapark. So richtig alte Gemäuer - also solche, die schon mehr als 200 Jahre stehen - finden sich hier nicht, obwohl der Modenapark bereits so um 1700 als Ziergarten angelegt wurde. Herzstück war das Modenapalais, das aber 1916 abgerissen wurde.

Heute bilden die Häuser um den Modenapark eines der wenigen Ensembles nichtkommunaler Wohnbauten in Wien aus der Zeit der 1. und 2. Republik. Charakteristisch sind glatte Fronten, die durch Balkone und Erker gegliedert werden. Da gibt es richtige Kleinode zu entdecken. Gut. Nicht alle sind sofort von meinem Platz aus zu erkennen. Wer aber einen Rundgang um den Park macht, sollte unbedingt einen Blick in das Foyer und Stiegenhaus mit Keramikmosaik auf Nummer 3 werfen. Ein paar Schritte weiter auf Nummer 6 wartete ein Haus mit Reliefs und Marmorstiege auf. Nobel, nobel. Auf Nummer 7 findet sich ein von Rudolf Frass 1930/1931 errichtetes Miethaus mit – und jetzt werde ich tatsächlich ein wenig rot - überlebensgroßen Aktfiguren von Wilhelm Frass, seinem Bruder gefertigt. Diese kann man allerdings nur von der Neulinggasse aus betrachten, denn das Haus Nummer 7 ist ein Eckhaus, wobei verglaste Veranden bzw. Balkone mit filigran wirkenden Eisengeländern die Ecke die schlichten, dekorlosen Fassaden betonten und zugleich eine Verbindung der beiden Straßenfronten herstellen.

Das habe ich übrigens von zwei Architekturstudenten gelernt, die vor kurzem bei mir auf ein Plauscherl vorbeigeschaut haben. Übrigens: Rudolf war ein Schüler von Otto Wagner. Wie auch Friedrich Mahler, der 1930 das Haus auf Nummer 3 entworfen hatte. Aber es gibt noch mehr Promi-Bauten: Richard Horner, ein Schüler von Clemens Holzmeister, wirkte gemeinsam mit Wilhelm Kroupa beim Wohnhausbau der Gemeinde Wien dem Richard-Strauss-Hof auf Nummer 8-9 mit. Jetzt kommt in diese Wohlfühl-Oase mitten im 3. ein weiterer Prachtbau dazu. Geplant wurde er von Elmar Danner (Frank + Partner Architekten) und Markus Kaplan (BWM Architekten und Partner ZT GmbH). Das Ziel der beiden Architekten war die Möglichkeit zu schaffen, mitten in der Stadt zu leben und dennoch das Grün der Natur genießen zu können. Das Haus besticht durch seine harmonische Architektur, seinen Komfort und eine sorgsame Ausstattung, die allen Ansprüchen qualitätsbewusster Bewohner gerecht wird. Zur Immobilie gehören auch Garagen, Fahrradabstellplätze und Kellerabteile. Wie ich gehört habe, werden diese demnächst bei mir vorbeischauen, da Sie interviewt werden. Bei mir. Auf der Parkbank. Ich freu mich. ☺

Der Modenapark - Wer wohnt eigentlich hier?

Sie werden es erahnen können. Als Parkbank erfährt man zwangsläufig so manches was sich im Bezirk tut. Ich kann einfach nicht weghören. Ich bin zugegeben auch zu neugierig. Vor allem im Sommer herrscht reger Verkehr. An manchen Tagen ist es ein Kommen und Gehen. Ich sag’s Ihnen. Da komm ich kaum zur Ruhe. Dass ich bei so manchem Telefonat gezwungen bin mitzuhören, ist klar. Aber: Diskretion ist Ehrensache. Bin ja nicht einfach eine x-beliebige Parkpark.

Besonders freue ich mich über Stammgäste, wie zum Beispiel – nennen wir sie Frau Erna. Sie lebt schon seit über 30 Jahren hier am Modenapark. Sie kommt jeden Tag zweimal mit ihrem Hund, ich glaub‘ er ist ein Schäfermischling, vorbei. Sie ist schon seit einigen Jahren in Pension und fährt mit ihrem Herbert, so ruft sie ihren Hund liebevoll, jeden Tag in den Prater zum Spazierengehen. Die schnelle Runde am Morgen und am Abend, die dreht sie im Modenapark und schaut bei mir vorbei. Wie auch das Studentenpärchen, das in einer WG gleich vis-à-vis wohnt. Die sind erst vor knapp zwei Jahren hierhergezogen. Die beiden studieren an der Kunstakademie. Na vielleicht kann ich einmal damit angeben, das bekannte Künstlerpaar schon in ihren Anfangsjahren begleitet zu haben. Ein Magnet ist auch der vor drei – oder sind es schon vier Jahre – neu gestaltete Kinderspielplatz. Ein Treffpunkt für die Kleinen, aber auch für deren Mütter. Seit kurzem hat sich Michael der Mütterrunde angeschlossen. Ein Vater, der in Karenz gegangen ist. Selten, aber es gibt sie. Auf den Punkt gebracht. Hier am Modenapark lebt eine bunte Mischung aus Jung und Alt. Vor allem in den letzten 10 Jahren sind immer mehr Junge in den Bezirk gekommen. Ich sehe immer mehr neue und vor allem interessante Gesichter.

Aber auch aus den Büros - Am Modenapark 10 residiert zum Beispiel eine Steuerberatungskanzlei, auf Nr. 5 ein Architekturbüro und auf Nr. 3 eine Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie - schauen regelmäßig Personen vorbei. In der Mittagspause oder aber kurz zwischendurch auf eine schnelle Zigarette - denn in welchen Büros darf heute noch geraucht werden. Ich selbst bin zwar Nichtraucherin, aber der Rauch stört mich kaum. Im Park geht immer ein kleines Lüfterl und sorgt damit für frischen Wind.

Frischen Wind wird auch das Neubauprojekt von JP Immobilien auf den Nummern 1-2 bringen. Im April haben die Bauarbeiten begonnen. Die Baugrube ist bereits ausgehoben. Garagen werden da reinkommen. 64 Wohnungen in der Größe von 23 bis 235 Quadratmeter sind noch zu haben. Das Haus wird sicher ein Hingucker. Vor kurzem konnte ich einen Blick auf ein paar Renderings werfen, die ein Mitarbeiter von JP Immobilien zu einem Termin mit einem Interessenten mitgebracht hatte. Wo sich diese getroffen haben, ist wahrscheinlich nicht schwer zu erraten. Bei mir. Der Parkbank im Modenapark.

Das Leben einer Herzogin

Letztens habe ich euch mehr zur Geschichte des Modenaparks erzählt – dabei stieß ich auf die Namensgeberin Maria Beatrice Ricciarda d’Este. Ich muss sagen, ich bin von ihr begeistert. Für damalige Verhältnisse hat diese Frau einiges geleistet. Deshalb möchte ich euch mehr von ihr erzählen.

Die Herzogin wurde am 7. April 1750 in Modena, einer Stadt in Norditalien, geboren. Weil ihr jüngerer Bruder bereits kurz nach seiner Geburt gestorben ist, wurde sie Alleinerbin des Hauses Este. Durch ihren Vater bekam sie die Herzogtümer Modena und Reggio, von Seiten der „Frau Mama“ das Herzogtum Massa und Carrara. Dies machte Maria Beatrice in der damaligen Zeit natürlich zu einer begehrten Frau. Kaiserin Maria Theresia von Österreich hatte stets vorteilhafte Partien für Bündnisse um das Haus Habsburg im Auge. Deshalb wurde ihr Sohn Erzherzog Ferdinand Karl am 15. Oktober 1771 mit der Erzherzogin d’Este verheiratet.
Mit ihren 21 Jahren hat Maria Beatrice die Linie Österreich-Este mitbegründet und wurde Teil der Habsburg-Familie. Sie brachte sage und schreibe neun Kinder zur Welt: Maria Theresia, Joseph Franz, Maria Leopoldine, Franz, Ferdinand Karl Josef, Maximilian Joseph, Maria Antonia, Karl Ambrosius und Maria Ludovika. Ich frage mich, ob es da manchmal zu Verwechslungen kam?! ☺

Nachdem sie die Herzogtümer mütterlicherseits verlor, musste sie doch tatsächlich auch noch die restlichen Ländereien an ihren ältesten Sohn abtreten. Das Wort Gleichberechtigung war in Sachen Thronfolge nicht besonders groß geschrieben, müsst ihr wissen. 1796 musste die Familie den Sitz in Mailand wegen Napoleons Einmarsch aufgeben. Daraufhin ließ sich die Herzogin d’Este – nach Zwischenstopps in Triest und Brünn – mit einem Teil der Kinder in Wr. Neustadt nieder. Ihr Mann lebte mit dem restlichen Nachwuchs im Schloss Belvedere.

Nach Napoleons Sturz im Jahr 1814 erhielt die Erzherzogin ihre Herrschaft über Massa und Carrara zurück. Wegen ihres Engagements war sie bei der Bevölkerung stets sehr beliebt. Maria Beatrice Ricciarda d’Este von Modena starb am 14. November 1829.

Außer dem Modenapark wurde 1862 ganz in der Nähe auch die Beatrixgasse im 3. Bezirk in Wien nach ihr benannt. Eine würdige Namensgeberin, wie ich finde.

Ein Stückchen Geschichte

Seit einiger Zeit lebe ich nun im Modenapark und musste feststellen, dass ich eigentlich gar nicht viel über mein Zuhause weiß. Deshalb habe ich mich ein bisschen genauer erkundigt. Habt ihr gewusst, dass der Modenapark bereits um das Jahr 1700 entstanden ist? 1697 ließ Franz Stockhammer, der kaiserliche Leibmedikus, ein Gartenschloss, das Modenapalais, errichten. Dies blieb bis 1786 im Besitz der Familie.

Den italienisch-mondänen Namen „Modena“ verdankt der Park der Erzherzogin
Maria Beatrix Ricciarda d ́Este von Modena (1750-1829), die die Anlage im Jahr 1806 kaufte und das Palais nach Plänen von Alois Pichl von 1806 bis 1810 umbauen lies. Die Erzherzogin war gemeinsam mit ihrem Mann Erzherzog Ferdinand Karl (Anton Joseph Johann Stanislaus), Sohn von Kaiserin Maria Theresia von Österreich, übrigens die Begründerin des Hauses Österreich-Este und somit quasi ein Teil der Habsburger Familie – diese Verhältnisse zu erklären, überlasse ich aber besser einem richtigen Historiker. ☺

Ganz schön viele Zahlen – aber ziemlich interessant.

Zurück zum Thema: Ursprünglich wurde der Modenapark also als Ziergarten angelegt, der seinerzeit zur Gartenanlage des Modenapalais gehörte und bis zur Strohgasse reichte. Heute ist er noch etwa 8.000 Quadratmeter groß – für alle die sich schon auf die Fußball-WM freuen: die Größe entspricht in etwa einem kleinen Fußballfeld. ☺

Im Jahr 1916 wurde das Palais abgerissen, der Park anschließend parzelliert und in eine öffentliche Anlage umgewandelt. Seinen „offiziellen“ Namen hat der Modenapark erst am 3. März 1926 erhalten.

© immocontent.at

In der Mitte des Parks steht die Skulpturengruppe, von der ich euch schon einmal erzählt habe. Sie wurde von Josef Müllner geschaffen und trägt den Titel „Knabe mit Panthern“ oder Scherzogruppe. Wie mir erklärt wurde, stand diese Skulptur bis 1948 im nicht weit entfernten Arenbergpark, bevor sie an ihren jetzigen Standort verlegt wurde.

Und noch ein letztes persönliches Highlight: Drei Bäume des Parks stehen unter Naturschutz.

Wie ihr seht: Mein Modenapark ist ein echtes Juwel der Geschichte und hat seinen Wert über die Zeit auf jeden Fall erhalten.

Ein feines Grätzel

Der 3. Wiener Gemeindebezirk hat schon seine Vorteile. Vor allem die Gegend rund um den Modenapark hat da ganz klar einige Pluspunkte vorzuweisen, von denen ich aus erster Hand sagen kann, dass sie die Lebensqualität für die Menschen in diesem Grätzel verbessern.

Denn mitten in der Stadt fehlt es trotzdem nicht am Grün. Man kann die Natur genießen und das nicht nur bei mir im Modenapark selbst (der natürlich der beste Park von allen ist), sondern auch im nahegelegenen Arenbergpark mit seinem Flakturm. Zwei wahre Wohlfühloasen im pulsierenden Stadtzentrum von Wien. Nördlich des Modenaparks liegt der etwas „glamourösere“ Stadtpark mit der Johann-Strauß-Statue und weiter westlich der Resselpark am Karlsplatz, wo man schon mehr vom Großstadt-Vibe aufsaugen kann.

© immocontent.at

Trotzdem gibt es eindeutig mehr als nur Bäume zu bewundern. Im 3. Bezirk findet man prachtvolle Palais und Bürgerhäuser als auch schicke Neubauten. Viele Botschaften befinden sich in unmittelbarer Nähe. So machen von Zeit zu Zeit Diplomaten der benachbarten Botschaften eine Pause bei mir im Park. Eben ein feines Grätzel, welches nicht zu Unrecht Diplomatenviertel genannt wird. Architektonisch gefällt mir das Palais Hoyos besonders gut. Es lohnt sich kurz stehen zu bleiben und die Fassade hinaufzublicken.

© immocontent.at

Und auch die Kunst kommt nicht zu kurz. Wenn Besucher des Wiener Konzerthauses nach der Vorstellung durch den Modenapark schlendern und hin und wieder noch kurz eine Pause bei mir machen, schwärmen sie immer von den Darbietungen, die sie erleben durften.

Gut, dass auch die Infrastruktur rund um den Modenapark keine Wünsche offenlässt und man leicht von einem Fleck zum anderen kommt. Die Anbindungen der öffentlichen Verkehrsmittel sind direkt am Park gelegen – so erreicht man mit der Buslinie 4A in nur fünf Minuten das Konzerthaus und anschließend den Karlsplatz. Dort besteht die Möglichkeit auf weitere Linien umzusteigen, beispielsweise die U-Bahn-Linien U1, U2 und U4 oder die Straßenbahnlinien 1, 2 und D. Noch näher liegt die U-Bahnstation im Stadtpark mit der gleichnamigen U4-Haltestelle.

Nun wisst ihr ja, wie ihr am besten zu mir in den Modenapark kommt. Überzeugt euch selbst von meinem Wiener Lieblingsgrätzel.

 
DIE PARKBANK IM MODENAPARK

© immocontent.at

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