0
Ein bunter Schmelztiegel, der zum Bleiben einlädt

Eine mit Bäumen gesäumte Allee, ein lebendiger Platz voll kultureller Vielfalt und ein kleines Dorf mitten in der großen Stadt – so bunt präsentiert sich das Nibelungenviertel.

Wie die Nibelungen nach Wien kamen

Vor rund hundert Jahren wurde ein Teil des ehemaligen Exerzier- und Paradeplatzes auf der „Schmelz“ verbaut. Im heutigen 15. Wiener Gemeindebezirk Rudolfsheim-Fünfhaus entstand eine neues Grätzel, das Nibelungenviertel. Die vier- bis fünfgeschossigen Bürgerhäuser, die damals errichtet wurden, widerspiegeln die Spätphase der Wiener Secession. Ganz im Gegensatz zum friedlichen Anspruch der Secessionisten, der Wiener Jugendstil-Künstler wurden den Gassen des Viertels Namen aus dem kriegerischen Nibelungenlied gegeben. Alberich, Brunhilde, Dankwart, Gunther, Giselher und Kriemhild sind hier unter anderem verewigt. Das Grätzel heißt folgerichtig Nibelungenviertel und beherbergte damals wie heute ganz sicher deutlich weniger Römer und Germanen als Menschen anderer Herkunft.
 

Wie im Nibelungenlied bildet auch im gleichnamigen Viertel Kriemhild, besser der nach ihr benannte, von Pappeln gesäumte Platz gemeinsam mit der Allee der Markgraf-Rüdiger-Straße den Mittelpunkt. Viele „Völker“ leben im Grätzel friedlich zusammen.

Das Buch lebt

Ein Zentrum des freundlichen Miteinanders und beliebter Treffpunkt ist die Buchhandlung „Buchkontor“ am Kriemhildplatz, Ecke Markgraf Rüdiger-Straße, einer durch eine Allee und mit Grünflächen und Bänken geteilten Straße. Auf dem Platz ist immer viel los, im Schatten der Bäume wird geplaudert, junge Leute auf ihren Fahrrädern drehen dort ihre Runden und ältere Damen mit Hut und Herren mit Spazierstock schlendern des Weges einher. In das geschäftige Treiben mischt sich helles Lachen vom nahen Kindergarten am Platz.

Ulla Harms, die Buchhändlerin im Nibelungenviertel hat ihren „Buchkontor“ nun schon seit 2009 hier am Kriemhildplatz. Das Buchkontor ist seitdem stetig gewachsen und hat sich als die Institution für Bücher, ausgewählte Papierprodukte, sowie als kultureller Treffpunkt mit regelmäßigen Lesungen und Veranstaltungen für Groß und Klein im Nibelungenviertel etabliert. Hier wird auf das Eindrucksvollste bewiesen, dass der Abgesang des Buches eine glatte Fehlmeldung darstellt. „Es ist ein Super-Grätzel. Ich bin sehr froh, dass ich hier bin“, so Ulla Harms gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Ursprünglich suchte sie nur ein Büro, eine Buchhandlung ist es letztendlich geworden.

Die Zukunft präsentiert sich in großer Vielfalt

Biegt man an der Ecke der Buchhandlung links ab und spaziert den Kriemhildplatz entlang und weiter in die Guntherstraße, stößt man an deren Ende an den Eingang zum Kleingartenverein „Zukunft Schmelz“. Ein kleines Dorf mitten in der Stadt. Das Areal des Kleingartenvereins hat alles, was man zum Verweilen benötigt: Viel Grün, Vogelgezwitscher wie am Land, Spazierwege, Bänke um die Ruhe zu genießen und mitten drinnen das „Schutzhaus Zukunft auf der Schmelz“.

Dieses Gasthaus mit seinem prächtigen, von großen Bäumen beschatteten Garten füllt sich mittags und abends mit Studierenden, die im Viertel wohnen und mit den Bewohnern des nahe gelegenen Kleingartens. Dazwischen sitzen Geschäftsleute im Anzug und junge Familien mit ihren kleinen Kindern. Es herrscht das pralle Leben ohne große soziale Grenzen und in schöner Harmonie. Bekannt ist das Schutzhaus aber weit über das Nibelungenviertel hinaus. Der langgestreckte Gastraum dient als Ort für viele Kulturveranstaltungen. Da werden die Tische aneinandergereiht, bis riesige Tafeln entstehen, an denen links und rechts das vergnügte Publikum Platz findet. Vor dem Kunstgeschehen werden Schnitzel und Bier serviert, wenn es klassisch zugehen soll, oder ein „Schutzhaus Burger mit Erdäpfelspalten“, Spareribs, Palatschinken und andere Wiener Spezialitäten von der umfangreichen Speisekarte.
 
Zu erleben gibt es hier Konzerte, einmal für Jung, einmal für ein bisschen Älter und auch Kabarett. Im Herbst stehen ein „Frank Sinatra Tribute“, Chris Lohner, die „Stehaufmanderln“ oder die "Genaration M´s glamorous Disco Show" auf dem Programm. Die Homepage des Schutzhauses verrät noch mehr über die kulturelle Vielfalt.

Mehr Information unter graetzlbericht.at

Grätzelbericht Zurück zur übersicht
Newsletter Anmeldung
Vielen Dank
für Ihr Interesse
schliessen