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Flanieren durch den Dritten

Ein wahres Wohlfühl-Grätzel mit geschäftigem Treiben auf den Straßen, pulsierendem Leben in Parks und in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt.
 
Vom Modena- bis zum Arenbergpark

Ihren heutigen Namen erhielt die Neulinggasse, die seinerzeitig Grasweg, dann Grasgasse hieß, im Jahr 1862 nach Vinzenz Neuling (1795-1846). Dieser Gastwirt und Bierbrauer erbte von seinem Vater, einem wohlhabenden Juwelier mehrere Besitztümer in der damals noch dörflichen Gegend. Seinen Wohlstand verwendete er zur Förderung von Kultur und zur Unterstützung armer Menschen. Er veranstaltete Hauskonzerte, eröffnete ein Theater und war Wohltäter unter anderem für zahlreiche Obdachlose nach der großen Überschwemmung, dem Donauhochwasser von 1830. Auch heute ist die Neullinggasse zwischen Modenapark und Arenbergpark ein wahres Wohlfühl-Grätzel. Prächtige Gemeindebauten aus den 1930er-Jahren mit klaren, teils schlichten Fassaden reihen sich neben prachtvolle Palais und Bürgerhäuser mit ausladenden Balkonen. Geschäftiges Treiben auf den Straßen, pulsierendes Leben in den Parks und die Nähe zur Innenstadt schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Viele Botschaften und Konsulate haben sich hier angesiedelt, was der Gegend eine internationale Ausstrahlung verleiht. Die beiden Parks bilden kleine Naturinseln inmitten der städtischen Struktur.

Der Arenbergpark

Die Geschichte des Arenbergparks ist von adeligen Namen geprägt. Nikolaus Fürst Esterházy hat ihn im Jahr 1785 nahe des früheren Esterházy-Palais errichten lassen. Dieses Palais an der Landstrasser Hauptstraße wurde im Jahr 1958 Opfer der Stadtgestaltung. Es wurde abgetragen, um einen Durchstich für die Neulinggasse zu schaffen. Im Jahr 1810 wurde der Park von Erzherzog Carl erworben. Er galt seinen Zeitgenossen als großer Held, hatte er doch 1809 den zu diesem Zeitpunkt noch unbesiegbar geglaubten Napoleon in der Schlacht von Aspern zumindest einmal zurückdrängen können. Heinrich von Kleist widmete Erzherzog Carl schwülstige Verse wie "Überwinder des Unüberwindlichen", und heute noch steht seine Statue neben Prinz Eugen auf dem Heldenplatz. Doch zurück zum Park. Der ging später an eine Prinzessin aus dem Adelshaus Arenberg, die ihn im Jahr 1900 an die Gemeinde Wien verkaufte. Der Adel verschwand von der Bildfläche des Parks, der Name blieb erhalten.

Im Jahr 1940 wurden im Arenbergpark zwei der insgesamt sechs Wiener „Flaktürme“ errichtet. Sie sollten helfen, feindliche Flieger abzuwehren. In einer Historie über die Flaktürme kann man nachlesen, dass die beiden hier den Codenamen „Baldrian“ trugen. Viel mehr als eine minimale, nervliche Beruhigung hatten sie, wie wir wissen, tatsächlich nicht zu bieten. So stehen sie heute im Park als monumentale Mahnung vor einer dunklen Zeit. Einer von ihnen dient als Lager für das Museum für Angewandte Kunst (MAK), in dem Gegenwartskunst gespeichert ist. Hier werden auch Kunstaktionen unter dem Motto „CAT – Contemporary Art Tower“ veranstaltet, anlässlich derer der Turm für das Publikum offen steht.

Heute ist er Zentrum und Treffpunkt in der Neulinggasse und hat alles, was ein Wiener Park und seine Besucher benötigen: Viel Grün, ausreichend Wege zum Flanieren, einen großen Spielplatz für die Kleinen, ein kleines Kaffeehaus für die Großen, Zonen für Hunde und ihre Besitzer – und auch die Jugend kommt mit einem eigenen, wenngleich kleinen Sportplatz auf ihre Rechnung. In das Gezwitscher von Vögeln mischt sich Kinderlachen, es riecht nach Sonne und Natur. Hier ist immer etwas los, im Schatten der Bäume wird gejausnet, geplaudert und gelacht. Und auf einer offenen, frei zugänglichen Fläche garteln AnrainerInnen, SchülerInnen und Kindergartenkinder der Umgebung zur eigenen Freude und zur jener der vorbeikommenden Parkbesucher.

Mehr Information unter graetzlbericht.at

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