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Wohnen, Arbeiten und Freizeit am Wasser

Wo Wasser ist, ist Leben. Denn egal ob an der alten Donau, der neuen Donau, der richtigen Donau oder dem Donaukanal – wer an diesen Ufern lebt, erfreut sich einer hohen Wohnqualität.

Viermal Donau – eine Geschichte

Es ist eine der schwierigsten Aufgaben für einen Wiener Stadtführer, den Gästen die vielen Namensvariationen der Donau zu erklären. Da gibt es die „Alte Donau“, die „Neue Donau“, DIE „Donau“ und schließlich den „Donaukanal“.

Die in der heimlichen österreichischen Hymne als blau besungene, die „echte“ Donau, war bis in das 19. Jahrhundert ein nicht regulierter Fluss. Die heute nördlich des Wassers gelegenen Stadtteile, aber auch die südlich angrenzende Leopoldstadt, wurden ständig von Hochwassern des ausufernden Flusses geplagt. Bereits ab dem Jahr 1810 wurden verschiedene Ideen für eine Regulierung vorgelegt, doch erst 1850 setzte Kaiser Franz Joseph das ein, was die Politik auch heute gerne wichtigen, rasch zu treffenden Entscheidungen voranstellt: eine Kommission.

Die „Donauregulierungskommission“ ließ sich satte zwanzig Jahre für ihre Beratschlagungen Zeit. Dann erst startete der Bau eines eingefassten, 280 Meter breiten Wasserlaufs. Zusätzlich wurde ein 450 Meter breiter Auslauf für das Wasser geschaffen, das sogenannte Überschwemmungs- oder Inundationsgebiet. Ein großer Seitenarm der Donau im Norden blieb erhalten und wurde bald zur „Alten Donau“. Dort kann man heute das Segeln erlernen, vom Ruderboot aus gemächlich die Skyline der Stadt bewundern oder in eines der Strandbäder zum Schwimmen gehen.

Weil es aber trotz des Ausbaus der Donau immer wieder zu Überschwemmungen kam, wurde 1972 ein Entlastungsgerinne gegraben. Mit dem Aushub schuf man eine Insel zwischen diesem neuen, durch Wehranlagen vom Fluss abgetrennten Arm und der Donau. Es entstand die Donauinsel. Bei Hochwasser können die Wehre geöffnet werden, sodass der Fluss genügend Platz im neuen Gerinne, auf der Insel und im alten Flussbett findet. Seither hat Wien auch in den wasserreichsten Jahren keine Probleme mit dem Hochwasser mehr. Der neue Arm heißt „Neue Donau“, dem fließenden Teil blieb der ursprüngliche Name „Donau“ – von „blau“ übrigens keine Spur.

Die Donauinsel erstreckt sich über rund 21 Kilometer. Sie ist ein Bade- und Freizeitparadies, wie man es in anderen Städten Zentraleuropas kaum findet. Man könnte sagen, Wien ist mit der Donauinsel ein wenig ans Meer herangerückt.

Bleibt noch der Donaukanal, dem hier unser Hauptinteresse gelten soll. Er war im Mittelalter der Hauptarm der Donau. Später verlagerte sich der Lauf des Flusses. Um 1700 entstand für diesen stadtnahen Wasserlauf die Bezeichnung „Donaukanal“. Er zweigt heute bei einer Schleusenanlage in Nußdorf vom Hauptfluss ab und verbindet sich am Praterspitz wieder mit seinem großen Bruder.

Der Donaukanal – der „Edelstein“ des Rings

Die Stadt Wien erstreckt sich über 23 Bezirke und rund 415 Quadratkilometer. Sagt der Wiener aber „Ich fahre in die Stadt“, so meint er nur ihren kleinsten Bezirk, den ersten nämlich, der den stolzen Titel „Innere Stadt“ trägt. Dieses Pars pro Toto gilt auch für den Donaukanal. Er zweigt zwar bereits bei Nußdorf von der Donau ab und mündet beim Prater wieder in sie hinein, doch im Fokus der Wiener steht in erster Linie der Abschnitt zwischen dem Ringturm und der Urania. Diesem Teil des Flusslaufs hat die Ringstraße auch zu verdanken, dass sie sich mit Recht „Ring“ nennen darf. Erst der Kanal macht aus dem weit gestreckten U ein O und verschließt den offenen Kreis wie ein eingefasster Edelstein den wertvollen Ring.

Architektur am Donaukanal

Schwingen wir uns also auf ein Rad und fahren vom Schwedenplatz aus gen Westen. An der Ecke zur Ringstraße steht das zweithöchste Gebäude der Inneren Stadt, der „Ringturm“. Er wird nur vom Turm des Stephansdoms überragt und wurde noch während der sogenannten Besatzungszeit erbaut. Der neunte Bezirk, dem wir uns jetzt nähern, gehörte damals zum amerikanischen Sektor, der Bereich auf der gegenüberliegenden Donaukanal-Seite zum russischen. Der Bau des Ringturms sollte ein Symbol für den Wiederaufbau sein und gleichzeitig die überlegene Innovationskraft des Westens zum Ausdruck bringen – ein städtebaulicher Stachel im Fleisch der Sowjets. Wer heute die Signale der zwanzig Meter über dem Turm aufragenden Lichtsäule zu dechiffrieren imstande ist, kann auf einen Blick erkennen, wie sich das Wetter entwickeln wird. Einen wirklichen Mehrwert besitzt diese Anzeige in Zeiten des Internets allerdings nicht.

Gleich nach dem Ringturm folgt ein Gebäude, das viel Angst und Schrecken verbreitet hat: die Rossauerkaserne. Der markante rote Ziegelbau entstand als Reaktion auf die 1848er-Revolution. Die Innenstadt und damit die Herrschaftszentrale des Kaisers sollte vor aufmüpfigen Bürgern geschützt werden. Es folgten keine weiteren Aufstände mehr, jedoch wurden die Erbauer der Kaserne von Spott und Hohn getroffen. Die Wiener erzählten sich, dass der Einbau von WC-Anlagen vergessen worden wäre und sich der Architekt deswegen sogar erschossen hätte. Eine Kaserne ohne Klos macht gleich viel weniger Angst. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie wieder zum Ort der Furcht. Die Aspiranten auf einen Führerschein mussten dort ihre Prüfung ablegen, und so manch einer kam wütend oder traurig ohne den rosa Schein aus dem roten Haus. Zurzeit beherbergt die Kaserne Teile des Verteidigungsministeriums und ist Stützpunkt von Polizei-Einsatzkommandos. Heute müssen sich also nur noch böse Gesellen vor dem imposanten Haus fürchten.

Im neunten Bezirk entlang des Kanals beeindrucken die großen herrschaftlichen Häuser, wie man sie auch in anderen Bezirken findet, die an die Innere Stadt angrenzen. Bald folgt die Station Rossauerlände der U 4, jener Linie, die den Donaukanal entlangfährt. Am Ufer des Flusses befindet sich seit bald zwanzig Jahren die „Summer Stage“, ein Gastronomiebetrieb mit einer wunderschönen Terrasse direkt am Ufer und einem Glaspavillon für kühlere Tage, der auch für Veranstaltungen gebucht werden kann.

Am Schicksal der nun folgenden Brücke kann vieles von der jüngeren Geschichte Wiens abgelesen werden. Hier befindet sich seit rund zweihundert Jahren ein Übergang in die Brigittenau. Die Brücke wurde 1926 neu gebaut und erhielt den Namen „Friedensbrücke“. Das aggressive NS-Regime konnte mit dieser Bezeichnung nicht viel anfangen und benannte die Brücke in der Zeit seines Angriffskriegs in „Brigittenauer Brücke“ um. Sie wurde im Kriegsverlauf, wie die meisten anderen Donaukanalbrücken auch, von der Wehrmacht gesprengt, um der bereits vor und in Wien stehenden Roten Armee das Vordringen zu erschweren. Nach der Befreiung Wiens kam es dann zu einem politischen Signal. Die Russen machten die Brücke, deren Mittelteil stehen geblieben war, rasch wieder begehbar und gaben ihr den Namen „Friedensbrücke“ zurück. In den heute friedlichen Zeiten kann man von ihr aus den Lauf des Kanals und die imposanten Häuser im neunten Bezirk, dem Alsergrund, betrachten.

Mehr Information unter graetzlbericht.at

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